Revolution! Lippe 1918

Aufbruch in die Demokratie

Im November 2018 jähren sich zum hundertsten Mal die Abdankung des letzten deutschen Kaisers und die Geburt der ersten deutschen Demokratie. An diese Ereignisse wird im kommenden Jahr deutschlandweit erinnert werden. In Lippe dankte 1918 parallel zu den Ereignissen in Berlin der regierende Fürst Leopold IV. ab. Die Residenz Detmold wurde zur Hauptstadt eines Freistaates. Die großen Ereignisse und ihre Bedeutung sind somit in Lippe im regionalen Kontext greifbar.

Revolution in der Provinz

Lippe war um 1900 ein typischer Kleinstaat des deutschen Kaiserreiches. Die Ausstellung nutzt dieses Fallbeispiel, um den für die deutsche Demokratiegeschichte bedeutenden Moment des Übergangs von der Monarchie zur demokratischen Republik zu beleuchten. Die Vorgänge im Fürstentum Lippe stehen beispielhaft für die Geschichte der Vielzahl der kleinen deutschen Staaten. Bewusst lenkt die Ausstellung den Blick auf die revolutionären Ereignisse in der Provinz und zeigt auf, dass keineswegs allein die Vorgänge in Berlin und München die Novemberrevolution ausmachten. Die große Mehrzahl der Zeitgenossen erlebte diesen Umbruch nicht in einer der beiden Metropolen, sondern in der Provinz. Damit nimmt die Ausstellung die Lebenswelt einer Vielzahl deutscher Zeitgenossen in den Blick, während sich die Berichterstattung sonst zum größten Teil auf den Ablauf in den Metropolen fokussiert.

Stätten und Akteure in Lippe

Die Sonderausstellung wird die Bedeutung der Geburt der Weimarer Demokratie anhand der Ereignisse, Stätten und Akteure der revolutionären Vorgänge in Lippe verdeutlichen. Der Umbruch fand an Örtlichkeiten statt, die bis heute das Detmolder Stadtbild prägen: die Heimkehr der Soldaten in die Detmolder Kasernen – die Abdankung des letzten lippischen Fürsten Leopold IV. im Residenzschloss – das Zusammentreten des Lippischen Landtages im Gebäude des heutigen Landgerichts. Entscheidungstragende Personen wie Heinrich Drake oder Leopold IV. sind bis heute vielen Menschen in Lippe präsent.

Beispiel Blomberg

Doch nicht nur in der Residenzstadt Detmold fand der Umsturz von der Monarchie zur Demokratie statt. Auch in den übrigen lippischen Städten bildeten sich Räte, die für ein gleiches, allgemeines Wahlrecht eintraten und den Übergang der kleinstädtischen Gesellschaft in die demokratische Staatsform begleiteten. Die Ausstellung wird dies am Beispiel der Stadt Blomberg und ihrem Volksrat mit außergewöhnlichen Exponaten veranschaulichen.

Lippische Besonderheiten

Besonderheiten des lippischen Revolutionsgeschehens wie die ungewöhnliche Bildung eines Frauenrates oder die Konkurrenz zwischen Räten, die sich in der Hauptstadt und parallel in kleineren Kommunen bildeten, werden ebenso präsentiert werden wie die Wahl zum lippischen Landtag im Januar 1919. Besondere Spannung verheißt die Auseinandersetzung mit der Reaktion Leopolds IV. auf die Ereignisse, die einen immensen Einschnitt in seine Biografie wie in der Geschichte seiner Familie bedeuteten. Erstmals werden in der Ausstellung Exponate aus seinem Privatbesitz, darunter sein Tagebuch aus der Zeit der Revolution, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Unterschätzte Revolution?

Dass der November 1918 das allgemeine und gleiche Wahlrecht brachte, ist eine Errungenschaft, deren Wert heute vielfach nicht ausreichend geschätzt wird, da sie zu unserer Normalität gehört.

Es ist ein Anliegen der Ausstellung, für die langfristigen Erfolge der Revolution zu sensibilisieren und demokratisches Bewusstsein zu stärken. Die Notwendigkeit dieses Engagements wird durch zahlreiche aktuelle Beispiele in der Welt, aber auch der europäischen Nachbarschaft deutlich.

Ab 3. November 2018

Revolution! Lippe 1918 - Aufbruch in die Demokratie

Eine Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Der letzte regierende Fürst von Lippe

Leopold IV. Julius Bernhard Adalbert Otto Karl Fritz Georg Gustav zur Lippe war der letzte regierende Fürst von Lippe. Im Zuge der Novemberrevolution wurde Leopold IV. durch den lippischen Volks- und Soldatenrat am 12. November 1918 zum Thronverzicht gedrängt.

Eindrücke der Revolution

Die Ausstellung verschafft über Zeitzeugen, die den Umsturz erlebten und ihre Eindrücke festhielten, spannende Einblicke in diese aufgewühlte Zeit. Unter den Protagonisten, die weit über Lippe hinaus von historischer Relevanz sind ist auch Magnus Zeller. Er war Mitglied eines Berliner Soldatenrates und setzte seine Erlebnisse des Novembers 1918 in zwei Mappenwerken um, die in einer Auswahl in der Ausstellung zu sehen sein werden. In den 1920er und -30er Jahren lebte und arbeitete Zeller in der lippischen Stadt Blomberg.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit:

Wir danken unseren Kooperationspartnern und Sponsoren für die Unterstützung