Pauline Christine Wilhelmine

verwittwete Fürstin zur Lippe, Edle Frau und Gräfin zu Schwalenberg u. geborene Fürstin zu Anhalt, Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, Gräfin zu Uscanien u. Vormünderin und Regentin

Pauline Christine Wilhelmine wurde am 23. Februar 1769 als Prinzessin von Anhalt-Bernburg in der Residenz zu Ballenstedt am Harz geboren. In ihrer Jugend erhielt sie eine fundierte Erziehung und Bildung: Sie erlernte u. a. Latein, Französisch und Italienisch, wurde in Staatstheorie unterrichtet und entwickelte durch reformierten Religionsunterricht eine ausgeprägte Religiosität. Durch ihre Heirat mit Fürst Leopold I. zur Lippe im Jahre 1796 gelangte sie in die Rolle einer Landesherrin, was ihr durch die zunehmende Regierungsunfähigkeit ihres Mannes eine Führungsrolle abverlangte. Nach dem Tod Leopolds I. 1802 übernahm sie für ihren noch unmündigen Sohn Leopold II. bis 1820 die Regentschaft im Fürstentum Lippe. In dieser Zeit sicherte sie durch Verhandlungen mit Napoleon I. von Frankreich die Souveränität Lippes und machte sich durch diverse Sozialreformen, die u. a. die Einrichtung einer ersten „Kinderverwahranstalt“ in Deutschland und Pflegeanstalten für Bedürftige beinhalteten, einen Namen.

Pauline auf der großen politischen Bühne

Am Morgen des 25. Oktobers 1807 betrat die Regentin eines nordwestdeutschen Kleinstaates das Parkett der europäischen Politik: Fürstin Pauline zur Lippe trat in Fontainebleau Kaiser Napoleon I. gegenüber, dankte ihm für die Aufnahme ihres Landes in den Rheinbund und erreichte, dass er ihr eine offizielle Audienz in Aussicht stellte. Drei Wochen später kam es zum Wiedersehen: Im Zwiegespräch mit dem Kaiser gelang es Pauline, die Souveränität ihres Fürstentums abzusichern.

Diese Selbstständigkeit war von großer Relevanz für die Geschichte des Landes in den folgenden knapp 150 Jahren bis zu seiner Eingliederung in das Bundesland Nordrhein-Westfalen und prägt die regionale Identität bis in die Gegenwart.

Pauline und Joséphine

Joséphine de Beauharnais war als Ehefrau Napoleons Kaiserin der Franzosen. Dass Pauline die Selbstständigkeit Lippes 1807 durch den Beitritt zum Rheinbund rettete, ist weithin bekannt. In diesem Prozess sowie am Hof in Fontainebleau nahm Joséphine für Pauline eine Schlüsselfunktion ein. Sie setzte sich stets für Paulines Anliegen ein, die beiden Frauen achteten sich, Pauline verehrte Joséphine regelrecht aufgrund ihrer Eleganz und Liebenswürdigkeit. Ihr hatte sie es letztlich zu verdanken, in Fontainebleau im engsten Kreis der Kaiserfamilie zu verkehren.

Mit „mütterlichem Herzen“ und „väterlichem Ernst“

Dass Fürstin Pauline heute das populärste Mitglied des lippischen Herrscherhauses ist und ihr Name Pate steht für eine Vielzahl von Institutionen in der Region, begründet sich jedoch weniger in ihrem außenpolitischen Agieren. Es geht vielmehr vornehmlich sowohl auf ihr soziales Engagement als auch auf die Faszination weiblicher Herrschaft zurück.

Die Lebensleistung Paulines zur Lippe beeindruckt auch deshalb, weil sie in einer von Männern dominierten Gesellschaft agierte und die Möglichkeiten und Spielräume weiblicher Herrschaft aufzeigt. Allein Vertreterinnen des Adels waren vereinzelt in der Lage, unter besonderen Umständen Führungspositionen einzunehmen. In der Zeit um 1800 fanden sich infolge der Aufklärung zaghaft Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen gehobener Schichten. Sie werden durch Paulines Selbstverständnis als Tochter, Ehefrau und Regentin veranschaulicht.

Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus in Brake, um 1860, eine Gründung von Fürstin Pauline

AnSichten einer Fürstin

Schülerwettbewerb

Gemeinsam mit dem Schulreferat der Lippischen Landeskirche veranstalten wir einen Wettbewerb zu Fürstin Pauline, unter dem Titel: „AnSichten einer Fürstin“.

Mitmachen können Klassen und Lerngruppen aller Schulformen. Beiträge sind analog oder digital einzureichen: Bild, Collage, Video-Clip, GE3icht, … Der Fantasie bei der Gestaltung der AnSichten sind keine Grenzen gesetzt. Als Vorbereitung bieten wir einen Besuch der Ausstellungskuratorin bei euch im Klassenzimmer an. Sie bereitet die Ausstellung vor und ist bestens über das Leben und Wirken der Fürstin Pauline informiert. Bitte buchen Sie den Besuch über das Schulreferat. Das Honorar wird auf Antrag übernommen. Der Wettbewerb endet am 6. Dezember 2020.