Die große Sonderausstellung

Vom 19. September 2020 bis 31. Januar 2021

Herausragende historische Persönlichkeiten geraten in der Regel nicht in Vergessenheit. Eine lebhafte Erinnerungskultur sowie eine zunehmende Legendenbildung halten diese Personen im kollektiven Gedächtnis einer Gemeinschaft wach. Jede Epoche macht sich dabei jedoch ein eigenes Bild der Figuren und passt es gesellschaftlichen Erfordernissen und Debatten an. Fürstin Pauline zur Lippe ist heute das populärste Mitglied des lippischen Herrscherhauses und ihr Name steht Pate für eine Vielzahl von Institutionen in der Region. 

Die Sonderausstellung anlässlich der 200. Jährung des Todestages der Fürstin Pauline zur Lippe möchte das Andenken an eine herausragende Regentin und ihre Lebensleistung fördern, deren Biografie weit über die Grenzen des ehemaligen Fürstentums hinaus für die Öffentlichkeit von Interesse ist.

Fürstin Pauline zur Lippe

Pauline Christine Wilhelmine wurde am 23. Februar 1769 als Prinzessin von Anhalt-Bernburg in der Residenz zu Ballenstedt am Harz geboren. In ihrer Jugend erhielt sie eine fundierte Erziehung und Bildung: Sie erlernte u. a. Latein, Französisch und Italienisch, wurde in Staatstheorie unterrichtet und entwickelte durch reformierten Religionsunterricht eine ausgeprägte Religiosität. Durch ihre Heirat mit Fürst Leopold I. zur Lippe im Jahre 1796 gelangte sie in die Rolle einer Landesherrin, was ihr durch die zunehmende Regierungsunfähigkeit ihres Mannes eine Führungsrolle abverlangte. Nach dem Tod Leopolds I. 1802 übernahm sie für ihren noch unmündigen Sohn Leopold II. bis 1820 die Regentschaft im Fürstentum Lippe.  

Eine Regentin in Europa

Die Fürstin prägte die Geschicke ihres Landes zu Beginn des 19. Jahrhunderts maßgeblich und agierte dabei – wenngleich ihr als regierender Frau eine Ausnahmerolle zukam – als „Kind ihrer Zeit“. Die Regentin handelte auf internationaler Bühne, ihre Politik war entscheidend von europäischen Entwicklungen beeinflusst und die Geschicke des lippischen Fürstentums waren in hohem Maße von der Neuordnung Europas bestimmt. Die historische Person Pauline wird im Kontext ihrer Epoche präsentiert, des Aufbruchs in das ereignisreiche 19. Jahrhundert.

Pauline Superstar

Die Schau geht der Entwicklung der Legendenbildung rund um die Person Pauline nach und stellt zugleich heraus, welche Bedeutung ihre Regierungszeit für die Gegenwart hat.

In dieser Zeit sicherte sie durch Verhandlungen mit Napoleon I. von Frankreich die Souveränität Lippes. Diese Selbstständigkeit war von großer Bedeutung  für die Geschichte des Landes in den folgenden knapp 150 Jahren bis zu seiner Eingliederung in das Bundesland Nordrhein-Westfalen und prägt die regionale Identität bis Heute.

Sie machte sich durch diverse Sozialreformen, u. a. die Einrichtung einer ersten „Kinderverwahranstalt“ in Deutschland und Pflegeanstalten für Bedürftige, einen Namen.

Tochter, Ehefrau und Regentin

Pauline zur Lippe agierte in einer von Männern dominierten Gesellschaft und zeigt die Möglichkeiten und Spielräume weiblicher Herrschaft auf. In der Zeit um 1800 fanden sich infolge der Aufklärung zaghaft Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen gehobener Schichten. Sie werden durch Paulines Selbstverständnis als Tochter, Ehefrau und Regentin veranschaulicht.

Lippische Geschichte anschaulich und unterhaltsam

Kurz nachdem sie die Regentschaft in Lippe an ihren nunmehr volljährigen Sohn übergeben hatte, verstarb Pauline im Dezember 1820. Die 200. Wiederkehr ihres Todesjahres ist Anlass dieser bedeutenden lippischen Regentin und ihrer Epoche eine große Sonderausstellung zu widmen. Die Schau und ihr Begleitprogramm werden das Thema Besuchern jeglichen Alters zugänglich machen. Ab September 2020 wird lippische Geschichte anschaulich und unterhaltsam präsentiert.

Pauline und Napoleon

Am Morgen des 25. Oktobers 1807 betrat die Regentin eines nordwestdeutschen Kleinstaates das Parkett der europäischen Politik: Fürstin Pauline zur Lippe trat in Fontainebleau Kaiser Napoleon I. gegenüber, dankte ihm für die Aufnahme ihres Landes in den Rheinbund und erreichte, dass er ihr eine offizielle Audienz in Aussicht stellte. Drei Wochen später kam es zum Wiedersehen: Im Zwiegespräch mit dem Kaiser gelang es Pauline, die Souveränität ihres Fürstentums abzusichern.

Wir danken

für die Unterstützung

Kooperationspartner

Landesarchiv NRW Abteilung OWL, Lippische Landesbibliothek, Stephan Prinz zur Lippe, Lippischer Heimatbund

Finanzielle Unterstützer

Lippische Museumsgesellschaft e. V., Sparkasse Paderborn-Detmold