Die Abteilung Archäologie zeigt die Geschichte Lippes von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Zahlreiche Funde, Modelle und Rekonstruktionen geben Einblicke in das Leben vor rund 2000 Jahren – in der Eisenzeit bis zum Frühmittelalter. Die Ausstellung verbindet Originalfunde mit detailgetreuen Nachbildungen. Viele Mitmachstationen laden zum Ausprobieren ein und machen Geschichte für Familien erlebbar.

Nomaden der Eiszeiten

Archäologie erforscht den Menschen in seiner Umwelt und das, was er hinterlassen hat. Die Urgeschichte umfasst jene Zeit, aus der es keine schriftlichen Quellen gibt. Funde aus Stein und Knochen sind die wichtigsten Zeugnisse. Die Menschen bauten als Jägerinnen und Sammler keine dauerhaften Siedlungen, sondern folgten dem Nahrungsangebot und dem günstigen Klima. Der erste Nachweis für Menschen in Lippe gelingt über den Faustkeil, welcher vor ca. 300.000 Jahren angefertigt wurde.

Vom Jagen zum Ackerbau

Einen entscheidenden Wendepunkt markiert die Jungsteinzeit, der wohl größte Umbruch in der Menschheitsgeschichte: Nach 2,5 Millionen Jahren, in denen der Mensch als Jäger und Sammler lebte, wird er vor 12.000 Jahren erstmals sesshaft, errichtet Siedlungen mit festen Gebäuden, beginnt Getreide anzubauen und Vieh zu züchten. Diese „Neolithische Revolution“ steht am Anfang der modernen Zivilisation in Europa und ist zugleich Ausgangspunkt für viele Errungenschaften, aber auch Probleme unserer Gegenwart.

Metalle, Macht und Handel

In der Bronzezeit entdeckte man die Vielseitigkeit der Legierung aus Kupfer und Zinn: Bronze war ein beliebtes Material zur Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck. Eine verbesserte Wagentechnologie erleichterte die Mobilität der Menschen. Es bildeten sich wirtschaftliche Beziehungen und ein weitreichendes Handelsnetzwerk in Europa heraus. Personen, die Zugang zu besonderen Rohstoffen hatten, erlangten Einfluss und Macht. Dadurch differenzierte sich die Gesellschaft und es entwickelten sich hierarchische Strukturen.

Kontakte mit dem Imperium

Nach der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar stieß das Römische Reich an den Rhein. Entgegen weitverbreiteter Vorstellungen, war der Kontakt zwischen Römern und germanischen Stämmen nicht nur durch Konflikte geprägt. Beide lebten über Jahrhunderte in Nachbarschaft – in weiten Teilen in friedlicher Koexistenz, geprägt von Handel und Kulturaustausch. Die einheimische Bevölkerung übernahm römische Einflüsse. Darunter erfreuten sich Importwaren wie Keramik, Schmuck und Glas besonderer Beliebtheit. Gleichzeitig wurden eigene Traditionen bewahrt.

Zeit der Neuordnung

Mit der Entdeckung des Gräberfeldes von Schieder-Schwalenberg schließt sich eine Forschungslücke für das Frühmittelalter im Kreis Lippe. Über 70 Gräber aus der Zeit zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert erlauben Einblicke in das gesellschaftlich-kulturelle Leben am Rande des Fränkischen Reiches. Aufwendig geschmiedete Schwerter und kunstvoll verzierte Glasperlen zeugen von handwerklich begabten Menschen mit weitreichenden Kontakten. Pferdegräber und Reitutensilien belegen die Relevanz der Pferde für die Menschen damals.

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