Abgereist, ohne Angabe der Adresse

Postalische Zeugnisse zu Verfolgung und Terror im Nationalsozialismus

„Abgereist, ohne Angabe der Adresse/parti, sans laisser d’adresse“ – mit diesem postamtlichen Klebezettel wurden zahlreiche Postsendungen versehen, ehe die Reichspost sie an ihre Absender außerhalb Deutschlands zurückschickte. In Wahrheit waren die meisten Adressaten nicht „abgereist“, sondern vertrieben oder ermordet worden, weil sie Juden waren. „Abgereist“ wurde so zur Metapher für das Verschwinden der Juden aus Deutschland, bis der Klebezettel im Januar 1943 von der Gestapo verboten wurde, weil sich seine Bedeutung herumgesprochen hatte.

Nicht nur die Inhalte von Postsendungen, sondern auch ihre äußeren Merkmale legen Zeugnis von individuellen Schicksalen und historischen Ereignissen ab.  In Zusammenarbeit mit Zeitzeugen, Archiven und Sammlern in vielen Ländern hat der Autor über 300 postalische und ergänzende Dokumente zusammengetragen und verschiedenen Phasen und Aspekten von Terror und Verfolgung im Nationalsozialismus zugeordnet.

Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig

 

Heinz Wewer mit Hartmut Liebermann, Bundesverband der Philatelisten Deutschlands / Foto: Hentrich & Hentrich

Heinz Wewer

geboren 1935 in Köln, Abitur in Emden, Studium der Rechtswissenschaften, der Geschichte und der Politikwissenschaft in Tübingen, Berlin, am Amherst College und in Princeton (M.A.). Gründer und Redaktionsmitglied von „DISkussion“ – Zeitschrift für Fragen der Gesellschaft und der deutsch-israelischen Beziehungen, zeitgeschichtliche Beiträge in den „Frankfurter Heften“, den „Gewerkschaftlichen Monatsheften“, für den WDR u.a. Korrespondent beim Eichmann-Prozess für RIAS Berlin. Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Document Center Berlin, bei der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und in der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS). Tätigkeit in der Kultur- und der Bildungsverwaltung, zuletzt als Leiter des Arbeitsbereichs Internationale Beziehungen der Hochschule der Künste Berlin. Gründer zivilgesellschaftlicher Initiativen wie des Komitees für die Entschädigung der Opfer medizinischer Experimente im KZ Ravensbrück und des Musikforums Berlin-Israel (mit Peter Schwarz). Buchpublikationen: Herausgeber (mit Rainer Mackensen), Dynamik der Bevölkerungsentwicklung, München 1973/74; Herausgeber, Mai 1995 – Erinnerung und Zukunft. Von der Darstellung des Nichtdarstellbaren in den Künsten, deutsch und englisch, Glasgow 1997. Lebt in Berlin.

Vortrag: Heinz Wewer, Berlin

Dienstag, 5. November, 19.30 Uhr

Veranstaltung im Rahmen der Erinnerung an den 9. November 1938 in Kooperation mit der Koordinierungsstelle NRWeltoffen des Kreises Lippe und dem Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe

Eintritt frei! Da die Plätze begrenzt sind, wird um Voranmeldung gebeten: 05231 99250 oder Mail

Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig, 2017
336 Seiten, Hardcover
346 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-241-8
39,00 €

Pressestimmen

„[Diese] Geschichten kann Wewer anschaulich erzählen, wie seine Sprache überhaupt von großer Klarheit ist und es ihm zudem gelingt, die komplexen historischen Verhältnisse nachvollziehbar zu machen.“ DAS ARCHIV, 2/2018

„Es ist diese erschreckende Gleichzeitigkeit von Grauen und Gewöhnlichkeit, die an den Zeugnissen der postalischen Zeitgeschichte haftet. […] All das ist nachzulesen in diesem ungewöhnlichen Geschichtsbuch, das Sammlerfleiß und Aufklärungsinteresse auf anschauliche Weise verbindet.“ Süddeutsche Zeitung, 9. April 2018

„Das reich illustrierte Buch eröffnet neben einer profunden Einführung in die NS-Diktatur ein historisches Panorama der besonderen Art.“ Tagesspiegel, 20. Januar 2019

„Gerade dadurch, dass die zahlreichen Dokumente, die der Autor hier vorlegt, natürlich zumeist handgeschriebene authentische Belege von vernichteten menschlichen Existenzen sind, gehen diese Dokumente menschlich so nahe und rütteln politisch auf.“ Deutsche Briefmarken-Revue 1/2018