Spannende Forschung, überraschende Erkenntnisse und faszinierende Einblicke in längst vergangene Lebenswelten.
Wie lebten die Meeressäugetiere, die einst das heutige Nordrhein-Westfalen bevölkerten? Was verraten Fossilien über ihre Entwicklung, ihre Lebensräume und ihr Schicksal? Und was haben Rechtsmedizin und Paläontologie miteinander zu tun?
Begleitend zur Sonderausstellung „überLeben – Walheimat Urmeer“ lädt das Lippische Landesmuseum Detmold zu einer Reihe wissenschaftlicher Vorträge ein. Fachleute aus Forschung und Wissenschaft stellen aktuelle Erkenntnisse vor, beleuchten außergewöhnliche Entdeckungen und eröffnen neue Perspektiven auf die Erdgeschichte.
Die Vorträge richten sich an alle, die mehr über die faszinierende Welt des Urmeeres erfahren möchten. Wissenschaftlich fundiert, anschaulich und auch ohne Vorkenntnisse verständlich.
Unsere Vorträge 2026
Seekühe! Sanfte Riesen aus dem Urmeer
Donnerstag, 12. November 2026 | 19 Uhr
Referentin: Dr. Manja Voß, Museum für Naturkunde Berlin
Sie sind friedliche Vegetarier, außergewöhnlich gut an das Leben im Wasser angepasst und längst kleine Stars in den sozialen Medien: Seekühe faszinieren mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen und ihrer gelassenen Lebensweise. Doch kaum jemand weiß, dass diese besonderen Säugetiere einst auch in den Gewässern des heutigen Nordrhein-Westfalens lebten.
Mit ihren zu Flossen umgebildeten Vorderbeinen, schweren Knochen und kräftigen Schwanzflossen sind Seekühe perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Heute begegnet man ihnen vor allem in warmen Küstengewässern und tropischen Flüssen. Ihre fossilen Verwandten waren jedoch auch im Urmeer des heutigen Nordrhein-Westfalens zuhause.
Welche Seekühe lebten einst in Deutschland? Wie ernährten sie sich, wie bewegten sie sich fort und was verraten ihre Fossilien über ihre Entwicklung?
Die Paläontologin Dr. Manja Voß nimmt ihr Publikum mit auf eine spannende Reise durch die Evolution der Seekühe und stellt die faszinierenden Tiere und ihre längst verschwundenen Lebensräume vor.
Über die Referentin
Dr. Manja Voß ist Paläontologin und Wissenschaftlerin am Museum für Naturkunde Berlin. Seit vielen Jahren erforscht sie die Evolution der Meeressäugetiere, insbesondere der Seekühe und Wale. Sie promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin über die Entwicklungsgeschichte fossiler Seekühe. Ihre Forschungen führten sie unter anderem in das berühmte „Tal der Wale“ in Ägypten. Neben ihrer paläontologischen Forschung engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation und Hochschullehre.

Rechtsmedizin & Paläontologie: Eine Allianz für vergangenes Leben
Donnerstag, 19. November 2026 | 19 Uhr
Referent: Dr. Achim G. Reisdorf, Ruhr Museum Essen
Können tote Wale explodieren? Was zunächst nach einer kuriosen Geschichte klingt, beschäftigt die paläontologische Forschung seit Jahrzehnten. Denn wie ein Tier nach seinem Tod zerfällt, entscheidet mit darüber, welche Spuren es im Fossilbericht hinterlässt.
Besonders bei fossilen Walen und Fischsauriern wurde lange diskutiert, ob sich ihre Skelette durch eine regelrechte „Kadaver-Explosion“ zerlegt haben könnten. Doch was geschieht tatsächlich mit verendeten Wirbeltieren am Meeresboden? Welche Rolle spielen Fäulnisgase, Wasserdruck und die Bedingungen der Ablagerung?
Um diese Fragen zu beantworten, verbindet die Forschung Erkenntnisse aus der Paläontologie mit Untersuchungsmethoden der Rechts- und Veterinärmedizin sowie der Meeresbiologie. Die Analyse fossiler Knochen und der umgebenden Gesteine wird dabei zu einer spannenden wissenschaftlichen Spurensuche.
Dr. Achim G. Reisdorf zeigt, wie sich aus Millionen Jahre alten Fossilien die letzten Stationen eines Tierlebens rekonstruieren lassen – und warum die Wahrheit über explodierende Wale überraschender ist, als man vermuten würde.
Über den Referenten
Dr. Achim G. Reisdorf ist Paläontologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ruhr Museum in Essen. Seine Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der Entstehung und Erhaltung von Fossilien und der Frage, was mit Meereswirbeltieren nach ihrem Tod geschieht. Für eine interdisziplinäre Studie über die vermeintliche Explosion verwesender Tierkörper unter Wasser wurde er 2013 gemeinsam mit seinen Mitautoren mit dem Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ausgezeichnet. Am Ruhr Museum leitet er zudem das Ausstellungsprojekt „überLeben in der Eiszeit“.

Weitere Vorträge 2027
Die Reise durch das Urmeer geht weiter! Auch 2027 begleiten spannende Vorträge die Sonderausstellung „überLeben – Walheimat Urmeer“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben Einblicke in ihre Forschung, berichten von außergewöhnlichen Fossilienfunden und zeigen, was wir heute über längst verschwundene Lebenswelten wissen.
Weitere Termine und Themen werden hier rechtzeitig bekannt gegeben.