Landesgeschichte

Der Bereich der Landeskunde wird im Lippischen Landesmuseum eng verbunden mit der Kunst und der Volkskunde präsentiert. Im Kornhaus erzählen neben Schriftzeugnissen und historischen Karten auch Bilder von der Geschichte des Landes Lippe. Besondere Erwähnung verdient die umfangreiche Sammlung an Militaria. Dort finden sich sowohl Hieb- und Stich- als auch Feuerwaffen. Sie wurden zum Teil zum Kämpfen zum Teil zum Jagen benutzt.
Zahlreiche Orden, Medaillen und Ehrenabzeichen aber auch Uniformen berichten von der Unabhängigkeit des Fürstentums.

Doch neben diesen „offiziellen“ Objekten der Landeskunde zeigt das Lippische Landesmuseum auch „private“ Einblicke. Möbel des 16. bis 19. Jahrhunderts vermitteln in geschlossenen Gruppen als Stilensembles einen Eindruck der Wohnkultur des Adels, des Bürgertums und der ländlichen Bevölkerung.

In enger Verbindung zur Volkskunde werden im Bereich der Landesgeschichte auch historische Spielzeuge gezeigt. Puppen und Puppenstuben, Blechspielzeug, Papiertheater und Zinnsoldaten, aber auch Kasperfiguren erzählen von der Welt der Kinder.

Das „öffentliche“ Leben wird an Beispielen verschiedener Handwerke dargestellt. So informieren Objekte aus Glas über das Arbeiten von Glasbläsern, Rauchwaren verdeutlichen das Geschick von Drechslern, Pfeifenmachern, Silberschmieden und Porzellanmanufakturen. Schmiede- und Schlosserarbeiten erzählen von begabten lippischen Handwerkern.

Einen einmaligen Überblick über 400 Jahre Kostümgeschichte vom Rokoko bis zur Gegenwart bieten zahlreiche Kleidungsstücke aus der umfangreichen volkskundlichen Textilsammlung des Lippischen Landesmuseums. Gezeigt wird Kleidung aus ländlichem, bürgerlichem und adligen Besitz.

Kinderkleidung ist seltener erhalten als Erwachsenenkleidung. Eine Ausnahme bildet Taufkleidung. Wegen ihrer besonderen Bestimmung wurde sie nur sehr selten getragen und das häufig teure Material geschont. In der Textilausstellung verdient daher die Neben einigen sehr empfindlichen und kostbaren Taufkleidern werden Taufhäubchen und –schühchen gezeigt. Dort sind auch die Erstlingsschuhe des lippischen Fürsten Leopold zu sehen.

Mit der Errichtung einer „Sammlung für lippische Altertümer“ gelangten 1893 die ersten Trachtenteile das heutige Lippische Landesmuseum. Sein Bestand wurde im Laufe der Jahrzehnte stark erweitert. Heute werden eine Vielzahl von Volkstrachten aus Lippe und den angrenzenden Regionen in der Textilausstellung in ihrer Funktion als Alltags-, Festtags- und Trauerkleidung vorgestellt.

 

 

Ein besonderes Schmuckstück der Kostüm- und Trachtensammlung des Lippischen Landesmuseums ist ein höfisches Kinderkleid aus der Renaissance. Es ist im Stil der spanischen Mode gehalten und wurde von der lippischen Gräfin Katharina zur Lippe getragen. Sie verstarb am 19. Mai 1600 im Alter von 6 Jahren. Außerdem lagen in dem Grab noch ein Häubchen, Hemdfragmente (beide verloren), Schuhe, Strümpfe und eine Halskette mit Anhänger. Das Kleid wurde in der herrschaftlichen Gruft der Augustiner-Chorherren in Blomberg gefunden.
Das Kleid besteht aus Kettsamt/Baumwolle und ist an der Vorderseite entlang der Knopfleiste und am Mieder mit Spitze aus Gold- und Silberdraht verziert. An Vorder- und Rückseite entlang des Saumes ebenfalls mit dieser Spitze besetzt. Die Schulterpartien zeigen für die Renaissancemode typische Schülterwülste. Das Kleid ist nur teilweise erhalten. Fehlstellen wurden mit einem hellbraunen Stoff ergänzt.