Sommer, Sonne, Bademoden

Studioausstellung bis zum 22. September 2019

Im Sommer, wenn die Sonne scheint macht man sich mit Schwimmzeug und Handtuch auf den Weg ins nächste Schwimmbad. Aber, Badanlagen oder Badestrände wie wir sie heute kennen, wurden erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Davor badete man, wenn überhaupt, nur in den bereits seit dem Mittelalter bekannten Thermalbädern. Ein Vergnügen, dass meist nur wohlhabenden Kaufleuten und Adeligen vorenthalten war. Beliebt waren vor allem Wannenbäder. In diesen hatte die Badekleidung keine besondere Bedeutung, die Privatsphäre erlaubte nacktes Baden und durch die fehlende Schwimmmöglichkeit war auch schwere Kleidung aus Baumwolle kein Problem.

Mit der Zeit der Aufklärung, um 1800, veränderte sich die Einstellung zur Hygiene und Gesundheit. Baden in der freien Natur wurde immer beliebter. Die ersten Flussbadeanstalten in Lippe entstanden Ende des 19. Jahrhunderts. An den Braker Wiesen, an der Bega, wurde 1872 die erste Badeanstalt in Lemgo errichtet. In Pivitsheide badete man im Postteich, in Detmold wurde in der Werre geschwommen. Badeanstalten wurden zunächst streng nach Geschlechtern getrennt besucht. Die Aufgabe der Badeanzüge jener Zeit war, im Wasser nicht durchscheinend zu werden, so bestanden sie aus Stoffen die im nassen Zustand schwer sind und nur langsam trocknen. Um 1900 wurden für den Turn- und Schwimmsport bequemere und elastischere Wirk- und Strickwaren gesellschaftsfähig.  Allerdings nur für Herren, Damen besuchten die Badeanstalten in möglichst undurchsichtiger und wollener Kleidung, alles andere galt als unsittlich.

Badebekleidung im heutigen Sinn ist seit etwa hundert Jahren populär. Schon bald gab es Badeanzüge für Frauen, die für damalige Verhältnisse sehr freizügig waren. Konservativen Kreisen ging dies zu weit. Sie sahen die Moral in Gefahr. Die preußische Regierung griff gegen diesen Verfall der Sitten 1932 mit dem sogenannten „Zwickelerlass“ ein. Dieser legte genau fest, welche Teile des Körpers beim Baden zu verhüllen waren.

Das Idealbild der Frau in den 1950er Jahren waren Wespentaille, runde Hüften und ein voller Busen. Diesem Modediktat folgend wurden die Badeanzüge mit einem Figur betonendem Innenleben versehen, das die Taille zusammenschnürte und die Brust anhob. Ab den 1960er Jahren kamen wieder zweiteilige Badeanzüge in Mode.

Der berühmteste Zweiteiler von allen erfreut sich bis heute großer Beliebtheit: der Bikini.

Bis zum 22. September 2019 ist die Studioausstellung „Sommer, Sonne, Bademoden“, gemeinsam mit der großen Dauerausstellung zur Kleidung, ein unterhaltsamer Gang durch die Geschichte der Modetrends der letzten hundert Jahre.

Schwimmbad Lemgo um 1960 | Foto. Stadtarchiv Lemgo, Fotoarchiv Gräfenstein