Prinzessinnen und Äbtissinnen

9. März bis 28. Mai 2012

Kulturhistorische Ausstellung mit Exponaten aus Magazinbeständen des Lippischen Landesmuseums Detmold

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen sechs frisch restaurierte Porträts. Die lippischen Prinzessinnen waren Äbtissinnen der Stifte Cappel (bei Lippstadt) und Lemgo. Nach Einführung der Reformation verwandelte man das katholische Prämonstratenserinnen-Kloster in Cappel und das Dominikanerinnen-Kloster in Lemgo in weltliche Damenstifte. Aufgenommen wurden unverheiratete junge Frauen, meist auf Initiative der männlichen Verwandten. Das Grafenhaus versorgte vor allem Töchter hoher Hofbeamter und des Militärs - oft schon im Kindesalter - mit einer Stellung als Stiftsdame. Die führende Position des Stifts, das Amt der Domina oder Äbtissin, übernahm eine der unverheirateten lippischen Prinzessinnen. Bei ihrem Eintritt in das Stift zahlten die Jungfrauen eine Aufnahmegebühr und mussten eine Zustiftung leisten. Das waren Mitte des 18. Jahrhunderts 50 und 200 Taler. Das Privatvermögen blieb unangetastet. Nach einem Probejahr erhielten die Jungfrauen Unterhaltszahlungen vom Stift, sogenannte Präbenden. Die Bildnisse der lippischen Äbtissinnen hingen ursprünglich im Stift Cappel. Da eine Äbtissin meist nicht im Stift wohnte, vertrat das Bildnis sie bei Abwesenheit.

Eindrucksvoll sind der malerische Aufwand und die weltliche Kleidung der Damen. Als Prinzessinnen ließen sie sich nach der Mode ihrer Zeit malen. Daran nahm man noch in den 1950er Jahren Anstoß. Ein Restaurator übermalte das ihm wohl allzu freizügig erscheinende Dekolleté der Äbtissin Casimire mit einem roten Schal.Glücklicherweise ließen sich die Übermalungen bei der aktuellen Restaurierung leicht und gefahrlos wieder entfernen. Nun erscheinen die Gemälde wieder ihrem ursprünglichen Zustand gemäß. Aus diesem Anlass präsentiert das Lippische Landesmuseum die Porträts der Äbtissinnen erstmalig in einer Sonderausstellung.