Führungen durch die Abteilung

Mumien in Alt-Peru 

Nes-pa-kai-schuti

Völkerkunde

Die völkerkundlichen Sammlungen gehen in ihren Ursprüngen auf die Zeit kurz nach Gründung des Museum im Jahre 1835 zurück. Bereits aus den Jahren 1840 – 1853 sind Kult- und Jagdobjekte sowie Bekleidungsaccessoires nord- und südamerikanischer Indianer dokumentiert.

Erste Materialien des Anden-Kulturraumes (Araukaner) gelangten 1883 in die Sammlung. Ein international bedeutender Fundus der andinen Hochkulturen und der Kulturen der südamerikanischen Pazifikküste trug der aus Lippstadt stammende Arzt Dr. Eduard Gaffron in den Jahren 1882 bis 1913 zusammen, in denen er in Lima praktizierte. Aus dieser damals größten Privatsammlung der Welt erhielt das Lippische Landesmuseum 1909 etwa 1300 archäologische Objekte und Textilien geschenkt, deren besondere Qualität Detmold zu einer ersten Adresse für alle in diesem Sektor tätigen Altamerikanisten macht. Durch kleinere Zustiftungen anderer Freunde des Landesmuseums konnte die Attraktivität dieser Kollektion bist heute ständig erhöht werden. In jüngster Zeit erfuhr das Museum Schenkungen von kleineren Sammlungen der Regenwald-Indios des Orinoko- und Magdalena-Gebietes.

Detmold Child

Die wohl älteste Mumie in Europa

Eine Kindermumie aus Peru. 6400 Jahre alt, klein, wirkt wie ein Kunstwerk. Zerbrechlich, als wäre es aus Ton oder Erde geformt. Es ist die älteste Mumie auf dem europäischen Kontinent. Die kleine Mumie aus der völkerkundlichen Abteilung war die Sensation der Ausstellung „Mummies of the World“ in den USA.  Es war die Weltweit größte Ausstellung von Mumien und ähnlichen Artefakten.

Ursprung der Schau in den USA war die Ausstellung „Mumien. Der Traum vom ewigen Leben“ des Reiss-Engelhorn Museums in Mannheim. Diese wurde im Jahr 2007 in Mannheim gezeigt, als Ergebnis der Forschungsarbeit des German Mummy Project. Das German Mummy Project ist eines der größten und interessantesten Forschungsprojekte weltweit. Zusammen mit Experten aus unterschiedlichen Disziplinen und mit Hilfe modernster Methoden gelingt es, den Mumien ihre Geheimnisse zu entlocken.

Es waren Untersuchungen des German Mummy Projects, die eine genaue Datierung des Alters der Detmolder Kindermumie möglich machten. Mit modernster Computertomographie wurde diese auf die Zeit 4504-4457 v Chr. datiert.

Die Kindermumie ist somit älter als Ötzi und fast doppelt so alt wie die Mumie des Pharaos Tutanchamun.

Lipper in der Welt

Wie viele andere Museen Deutschlands profitierte auch das Lippische Landesmuseum von den etwa 30 Jahren deutscher Kolonialgesichte (1884 – 1914). Lippische Kaufleute, Militärs, Kolonialbeamte und Diplomaten im Dienste des Deutschen Reiches brachten aus ihren „Dienstländern“ Geschenke, Andenken oder bewusst zusammengetragene Sammlungen mit nach Hause und überließen diese später als Stiftungen oder Nachlässe dem Lippischen Landesmuseum.

Die Baukunst der Maya in Mexiko und Guatemala wird durch eine einzigartige Sammlung von 300 Originalfotografien des Pioniers der Maya-Forschung Teobert Maler repräsentiert, die dieser während der beiden letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts im Urwald dieser Region Mittelamerikas aufgenommen hatte. Auch Obsidian-Artefakte sowie Skulpturfragmente der Hochkulturvölker Mesoamerikas sind Teile einer Sammlung, die der Honorarkonsul Otto Rosenkranz 1926 dem Landesmuseum schenkte. Rosenkranz war konsularisch weltweit unterwegs. Sein Interesse für die industrielle und bergbauliche Infrastruktur der von ihm bereisten Länder kommt hervorragend in einer Sammlung von 152 Originalfotos aus Chile, Argentinien und Brasilien zum Ausdruck, mit einmaligen historischen Momentaufnahmen aus der Zeit zwischen 1868 und 1894. Von besonderem ethnologischem Interesse sind Originalfotos des späten 19. Jahrhunderts von indigenen Samoanerinnen (Polynesien) und nordost-brasilianischen Indianern.

Ebenso fanden Sammlungen aus Arabien, dem Nahen und Mittleren Osten, Indien, Java, China, Japan und Melanesien den Weg in das Detmolder Museum. Besondere Bedeutung besitzt die große Sammlung von Konsul Friedrich Rosen, der die erste deutsche Abessinien-Delegation in den Jahren 1904/05 nach Addis Abeba führte und wenig später 1906/07 als Gesandter in Tanger den deutsch-französischen Marokko-Konflikt mäßigen half.

Das Lippische Landesmuseum hat in den vergangenen Jahren seinen Ruf als Hort wichtiger ethnologischer Bestände gefestigt und ausgebaut durch eine Reihe ambitionierter Sonderausstellungen zur Kultur Afrikas und Ozeaniens die große bundesweite und internationale Aufmerksamkeit erzielten.